Wirft ein Mitarbeiter Ihnen oder einer Führungskraft Mobbing vor, haften Sie nicht automatisch. Der Arbeitnehmer muss konkrete Handlungen, deren systematischen Zusammenhang und einen daraus entstandenen Schaden darlegen und beweisen. Viele Vorwürfe scheitern an dieser Hürde, wenn der Arbeitgeber sachlich reagiert, intern aufklärt und seine Maßnahmen dokumentiert.
Unterschätzen sollten Sie solche Vorwürfe trotzdem nicht. Im Raum stehen Schmerzensgeld, Ersatz von Verdienstausfall und Behandlungskosten, bei Bezug zu einem Diskriminierungsmerkmal auch eine Entschädigung nach dem AGG. Hinzu kommen Unruhe im Team, Krankheitsausfälle und das Risiko, dass der Vorwurf in einem Kündigungsschutzprozess zum zentralen Streitpunkt wird.
Als Anwälte im Arbeitsrecht vertreten wir Arbeitgeber gegen Mobbingvorwürfe und begleiten interne Untersuchungen. Hier erfahren Sie, was rechtlich unter Mobbing verstanden wird, auf welche Grundlagen Mitarbeitende Ansprüche stützen, wer was beweisen muss, welche Verteidigungslinien bestehen und wie Sie mit wenigen Maßnahmen vorbeugen.
Mobbing ist kein Gesetzesbegriff. Weder das BGB noch das AGG verwenden ihn. Die Arbeitsgerichte verstehen darunter allgemein ein fortgesetztes, aufeinander aufbauendes oder ineinander übergreifendes Anfeinden, Schikanieren oder Diskriminieren, das nach seiner Art und seinem Ablauf der Herabsetzung des Betroffenen dient und dessen Persönlichkeitsrecht, Ehre oder Gesundheit verletzt.
Entscheidend ist die Gesamtschau. Einzelne Handlungen können für sich genommen harmlos oder sogar rechtmäßig sein und erst im Zusammenhang ein Mobbinggeschehen ergeben. Umgekehrt gilt: Nicht jeder Konflikt am Arbeitsplatz ist Mobbing. Typische Abgrenzungsfragen sind:
Für Arbeitgeber bedeutet das: Der Vorwurf selbst ist noch keine rechtliche Bewertung. Zunächst muss geklärt werden, welche konkreten Vorfälle behauptet werden und ob sie das Bild einer gezielten Herabsetzung ergeben oder ob es um gewöhnliche betriebliche Konflikte geht. Diese Einordnung prägt jeden weiteren Schritt, von der internen Aufklärung bis zur Verteidigung vor Gericht.
Erreicht Sie ein Mobbingvorwurf, lassen Sie die geschilderten Vorfälle früh rechtlich einordnen. Eine vorschnelle Reaktion kann später als Eingeständnis gewertet werden.
Ein Mitarbeiter kann Mobbingansprüche nicht nur gegen den unmittelbar Handelnden richten, sondern auch gegen Sie als Arbeitgeber. Dafür kommen mehrere Grundlagen in Betracht:
Nach § 12 AGG muss der Arbeitgeber zudem Maßnahmen zum Schutz vor Benachteiligungen treffen und bei Verstößen geeignete Schritte gegen die Handelnden ergreifen. Wer diese Pflichten erkennbar erfüllt, verbessert seine Position im Streitfall erheblich.
Ansprüche nach dem AGG müssen nach § 15 Abs. 4 AGG derzeit innerhalb von zwei Monaten schriftlich geltend gemacht werden. Eine Verlängerung dieser Frist ist Gegenstand eines laufenden Gesetzgebungsverfahrens.
Wird Ihnen ein Fehlverhalten Ihrer Führungskräfte vorgeworfen, prüfen Sie früh, ob und auf welcher Grundlage Ihnen dieses zugerechnet werden kann. Davon hängt Ihr gesamtes Haftungsrisiko ab.
Im Prozess trägt grundsätzlich der Arbeitnehmer die Darlegungs- und Beweislast. Er muss die einzelnen Vorfälle konkret nach Datum, Beteiligten und Inhalt schildern. Pauschale Angaben wie „ständige Schikanen“ oder „systematische Ausgrenzung“ genügen nicht. Das Gericht prüft dann in einer Gesamtschau, ob sich aus den bewiesenen Einzelakten ein Mobbinggeschehen ergibt.
Hinzu kommt die Kausalität. Wer Schmerzensgeld oder Ersatz für Verdienstausfall wegen einer Erkrankung verlangt, muss nachweisen, dass gerade die Mobbinghandlungen die Gesundheitsschäden verursacht haben. Häufig bestehen andere mögliche Ursachen, etwa private Belastungen oder Vorerkrankungen. Ein ärztliches Attest allein belegt diesen Zusammenhang meist nicht, zumal es oft nur die Schilderung des Patienten wiedergibt.
Eine Erleichterung gilt nur bei Bezug zum AGG. Nach § 22 AGG genügt es dann, wenn der Arbeitnehmer Indizien beweist, die eine Benachteiligung wegen eines geschützten Merkmals vermuten lassen. Der Arbeitgeber muss dann beweisen, dass kein Verstoß vorliegt. Für diese Situation ist eine lückenlose Dokumentation besonders wichtig:
Liegt eine Klage oder ein Anwaltsschreiben vor, lassen Sie prüfen, ob die Vorwürfe überhaupt hinreichend konkret und beweisbar sind. Darin liegt oft der stärkste Ansatz der Verteidigung.
Die Abwehr eines Mobbingvorwurfs setzt meist an mehreren Stellen gleichzeitig an. Bewährt haben sich vor allem folgende Argumentationslinien:
Daneben lohnt der Blick auf eigene Schutzmaßnahmen: Wer nachweisen kann, dass er auf Beschwerden reagiert, aufgeklärt und gegebenenfalls Konsequenzen gezogen hat, widerlegt den Vorwurf der Pflichtverletzung. Welche Linie im Einzelfall trägt, hängt von Akten, Zeugen und Zeitabläufen ab.
Lassen Sie Fristen und Verjährung sofort nach Eingang der Forderung prüfen. Ein verfristeter Anspruch muss inhaltlich gar nicht mehr verteidigt werden.
Beschäftigte haben nach § 13 AGG das Recht, sich bei der zuständigen Stelle im Betrieb zu beschweren, wenn sie sich benachteiligt fühlen. Die Beschwerde ist zu prüfen und das Ergebnis mitzuteilen. Daneben bestehen die allgemeinen Beschwerderechte nach §§ 84 und 85 BetrVG. Eine sorgfältige interne Untersuchung erfüllt diese Pflichten und schafft zugleich die Grundlage für Ihre Verteidigung.
Eine faire Untersuchung folgt einem klaren Ablauf:
Während der Untersuchung kann es nötig sein, die Beteiligten vorübergehend räumlich oder organisatorisch zu trennen. Solche Schritte sollten neutral begründet werden, damit sie nicht als Vorverurteilung erscheinen und weder Beschwerdeführer noch Beschuldigten benachteiligen.
Planen Sie eine interne Untersuchung, legen Sie Ablauf und Beteiligte vorab fest. Ein fehlerhaftes Verfahren kann die gewonnenen Erkenntnisse später entwerten.
Bestätigt sich der Vorwurf, müssen Sie nach § 12 Abs. 3 AGG und Ihrer Fürsorgepflicht reagieren. Das Mittel muss geeignet, erforderlich und angemessen sein:
Umgekehrt taucht der Mobbingvorwurf häufig im Kündigungsschutzprozess eines gekündigten Mitarbeiters auf. Er soll dann die Kündigung als Teil einer Schikane erscheinen lassen oder einen Auflösungsantrag nach § 9 KSchG stützen. Hier kommt es darauf an, die Kündigungsgründe sauber zu belegen und deutlich zu machen, dass sie unabhängig von den behaupteten Konflikten bestehen.
Auch ein bewusst falscher Mobbingvorwurf gegen Kollegen oder Vorgesetzte kann arbeitsrechtliche Konsequenzen haben. Bevor Sie darauf reagieren, sollte aber feststehen, dass der Vorwurf wider besseres Wissen erhoben wurde und nicht nur unbewiesen ist. Sonst schrecken Sie berechtigte Beschwerden ab.
Wollen Sie nach einer Untersuchung Konsequenzen ziehen, lassen Sie die Maßnahme vorher auf ihre Verhältnismäßigkeit prüfen. Eine überzogene Reaktion schafft einen neuen Rechtsstreit.
Nicht jeder Mobbingstreit sollte bis zum Urteil geführt werden. Ein Vergleich kann sinnvoll sein, wenn die Beweislage unklar ist, das Arbeitsverhältnis ohnehin zerrüttet ist oder ein langer Prozess die Belegschaft belastet. Typische Inhalte sind eine Beendigung mit Abfindung, ein wohlwollendes Zeugnis, eine Ausgleichsklausel und Vertraulichkeit. Achten Sie darauf, dass die Ausgleichsklausel auch Ansprüche gegen Vorgesetzte und Kollegen erfasst, soweit dies zulässig ist.
Ein Vergleich ist kein Schuldeingeständnis. Er sollte aber so formuliert sein, dass er weder ein Fehlverhalten bestätigt noch Erwartungen anderer Beschäftigter weckt, die ähnliche Vorwürfe erheben könnten.
Die beste Verteidigung entsteht lange vor dem Prozess. Eine sachliche Dokumentation von Leistungsgesprächen, Zielvereinbarungen, Abmahnungen und Beschwerden zeigt, dass Entscheidungen auf nachvollziehbaren Gründen beruhen. Zur Prävention genügen oft wenige Bausteine:
Steht ein Vergleich im Raum, lassen Sie die Bedingungen und die Reichweite der Ausgleichsklausel prüfen. Nur so ist der Konflikt tatsächlich abgeschlossen.
Wir verbinden die Abwehr konkreter Ansprüche mit einer sachlichen Aufarbeitung im Betrieb:
Die Vergütung richtet sich nach dem Umfang des Mandats. Eine Rechtsschutzversicherung für Arbeitgeber kann die Kosten der Abwehr von Ansprüchen im Arbeitsgerichtsverfahren übernehmen, wenn sie diesen Bereich umfasst. Die Deckungsanfrage stellen wir auf Wunsch für Sie.
Hat ein Mitarbeiter einen Mobbingvorwurf erhoben, eine Forderung gestellt oder Klage erhoben, handeln Sie rasch und überlegt. Nehmen Sie Kontakt auf und sichern Sie Ihre Verteidigung, bevor Fristen und Beweise verloren gehen.
Muss ich als Arbeitgeber auf jeden Mobbingvorwurf reagieren?
Ja. Sobald Sie von einem Vorwurf erfahren, müssen Sie ihn im Rahmen Ihrer Fürsorgepflicht prüfen. Wer untätig bleibt, riskiert eine eigene Haftung, selbst wenn der ursprüngliche Vorfall gering war. Die Reaktion muss nicht sofort in Sanktionen bestehen, sondern zunächst in einer sachlichen Aufklärung.
Wie hoch ist Schmerzensgeld wegen Mobbing in der Regel?
Eine feste Größe gibt es nicht. Die Gerichte bemessen die Entschädigung nach Dauer und Schwere der Beeinträchtigungen sowie den gesundheitlichen Folgen. Entscheidend ist, was im Einzelfall bewiesen werden kann, und ob ein Bezug zum AGG besteht. Häufig scheitern Klagen bereits an der Beweisführung.
Darf ich einen Mitarbeiter abmahnen, der sich über Mobbing beschwert?
Nein, nicht wegen der Beschwerde selbst. § 16 AGG verbietet Benachteiligungen wegen der Inanspruchnahme von Rechten nach dem AGG, und auch die allgemeinen Beschwerderechte dürfen nicht sanktioniert werden. Eine Abmahnung kommt nur bei einem davon unabhängigen Fehlverhalten in Betracht. Den zeitlichen Zusammenhang sollten Sie dabei sorgfältig dokumentieren.
Kann der Betriebsrat bei einem Mobbingfall die Versetzung des Täters verlangen?
Ja, unter Umständen. Nach § 104 BetrVG kann der Betriebsrat die Entlassung oder Versetzung eines Arbeitnehmers verlangen, der durch grobe Verletzung der Grundsätze des § 75 BetrVG den Betriebsfrieden wiederholt ernstlich gestört hat. Kommt der Arbeitgeber dem nicht nach, kann der Betriebsrat das Arbeitsgericht anrufen. Die Voraussetzungen sind allerdings hoch.
Haftet der Arbeitgeber auch für Mobbing unter Kollegen?
Nur eingeschränkt. Für Kollegen ohne Vorgesetztenfunktion haftet der Arbeitgeber in der Regel nicht über § 278 BGB. Er haftet aber für eigene Pflichtverletzungen, wenn er von dem Verhalten wusste und nicht eingeschritten ist. Deshalb ist es entscheidend, auf Hinweise nachweisbar zu reagieren.
Darf ein Mitarbeiter wegen Mobbing die Arbeit verweigern?
Nur in engen Grenzen. Bei Belästigungen und sexuellen Belästigungen nach dem AGG haben Beschäftigte ein Leistungsverweigerungsrecht ohne Verlust des Entgelts, wenn der Arbeitgeber keine oder offensichtlich ungeeignete Maßnahmen ergreift (§ 14 AGG). In anderen Fällen kommt ein Zurückbehaltungsrecht nur bei schweren Verletzungen in Betracht. Eine unberechtigte Arbeitsverweigerung kann dagegen eine Abmahnung rechtfertigen.
Was tun, wenn der Mobbingvorwurf gegen den Geschäftsführer gerichtet ist?
Dann sollte die Untersuchung nicht intern durch weisungsgebundene Mitarbeiter erfolgen. Sinnvoll ist eine externe Stelle, die unabhängig und vertraulich ermittelt. Gesellschafter oder Aufsichtsgremien sollten eingebunden werden, weil das Verhalten der Geschäftsleitung der Gesellschaft unmittelbar zugerechnet wird.
Kann ein Mitarbeiter wegen Mobbing fristlos kündigen und eine Abfindung verlangen?
Eine Eigenkündigung aus wichtigem Grund ist nur bei schwerwiegenden Pflichtverletzungen des Arbeitgebers möglich. Hat der Arbeitgeber die Kündigung schuldhaft veranlasst, kann der Mitarbeiter nach § 628 Abs. 2 BGB Schadensersatz verlangen. Einen allgemeinen Abfindungsanspruch gibt es nicht. Der Mitarbeiter muss die Pflichtverletzung auch hier beweisen.
Ist ein Mobbing-Tagebuch vor Gericht ein Beweis?
Es ist kein voller Beweis, aber ein wichtiges Hilfsmittel. Ein zeitnah geführtes Tagebuch hilft dem Arbeitnehmer, Vorfälle konkret darzulegen, und kann die Glaubwürdigkeit seiner Aussage stützen. Der Arbeitgeber kann die geschilderten Vorfälle bestreiten und Gegenbeweise anbieten. Umso wichtiger ist die eigene Dokumentation des Arbeitgebers.
Wann lohnt sich ein Anwalt bei Mobbingvorwürfen gegen das Unternehmen?
Ein Anwalt lohnt sich, sobald ein schriftlicher Vorwurf, ein Anwaltsschreiben oder eine Klage vorliegt oder Sie eine interne Untersuchung planen. Anwälte im Arbeitsrecht prüfen Fristen, Beweislage und Haftungsrisiken und sorgen dafür, dass Ihre Reaktion später nicht gegen Sie verwendet werden kann. Eine Rechtsschutzversicherung für Arbeitgeber übernimmt die Kosten der Verteidigung im Arbeitsgerichtsverfahren, wenn der Vertrag diesen Bereich abdeckt.
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